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Tolstoi selbst las in Leipzig

Автор: Svetlana Voljskaia
Добавлено: 2013-08-22 18:30:00

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Wir schreiben 2010 bekanntlich das "Tolstoi-Jahr", denn im November jährt sich der legendäre "Auszug" Tolstois aus Jasnaja Poljana zum hundertsten Mal. Was hatte ihn dazu bewogen, seine gewohnte Welt, die Familie und seinen Geburtsort zu verlassen? Was war am Lebensabend des Großen Alten geschehen? Der Schriftsteller Tolstoi, sein Privatleben und seine Werke bieten dem Publikum reichlich Gesprächsstoff und sind immer ein anregendes und dankbares Thema. Im Jubiläumsjahr haben viele prominente Schriftsteller ihre Überlegungen in Buchform präsentiert und Anlass zu einer breiten öffentlichen Debatte gegeben. Pawel Basinskij (Kulturredakteur der Rossijskaja Gazeta) publizierte den Roman "Lew Tolstoi: begstwo iz raja" (Lew Tolstoi - Flucht aus dem Paradies). Viktor Pelevin veröffentlichte ein Werk, mit dem seltsamen Titel "T" und schreibt ebenfalls, wenn auch in etwas ungewöhnlicher Form, über Lew Tolstoi.

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В. Tolstoi und Rosemarie Tietze
Foto: Alexandra Omeltschenko
В. Tolstoi und Rosemarie Tietze

Der Schriftsteller Lew Tolstoi ist in Deutschland äußerst populär. Seit 1860 werden regelmäßig deutsche Übersetzungen seiner Werke veröffentlicht. Der berühmte Schreibstil Tolstois, sperrig, mit vielen Ecken und Kanten, fordert es jedoch geradezu heraus, dass man ihn glättet und zurechtlegt. Das mag es den Übersetzern nicht immer leicht gemacht haben, sich an das Orginal zu halten. Die Romane Tolstois bevölkern zudem im Übermaße Helden und Protagonisten. Es ist unmöglich, sich alle Romanfiguren zu merken und sich zurechtzufinden. Wer gehört zu wem oder ist wie mit wem verwandt? Auch die typisch russische Anrede, beispielsweise "Anna Arkadjewna" statt Frau Karenina, war für den deutschen oder englischen Leser zumindest ungewohnt. Was tun, wenn die Fürstin Schtscherbazkaja, lange Strecken des Romans nur als Kitty bekannt, plötzlich von ihrem Vater ohne modische Anglizismen mit Katenka angesprochen wird (Übersetzerin Maria Sokolskaja, Russkij Newsweek).

Die zahlreichen Probleme mit den Texten Tolstois veranlassten eine Suche nach bequemeren Übersetzungen in die europäischen Sprachen. Seltsamerweise waren es die Russen, die bereits im 19. Jahrhundert diesen Weg einschlugen. Im Jahr 1879 erschien in St. Petersburg eine mit "Une Russe" unterzeichnete französische Übersetzung des berühmten Tolstoi-Romans "Krieg und Frieden". Hinter dem Pseudonym verbarg sich die Fürstin Irina Paskjewitsch, die eine unterhaltsame, vereinfachte und stark gekürzte Version des Romans auf Französisch verfasste. Ihre Übersetzung wurde mehrfach neu aufgelegt und hatte sowohl bei den russischen als auch bei den französischen Lesern durchschlagenden und anhaltenden Erfolg.

In die deutsche Sprache übersetzt wurde "Krieg und Frieden" vom ehemaligen Hauslehrer der Kinder L. Tolstois, Ernst Strenge. Wahrscheinlich lag der Übersetzung jedoch nicht das Original zugrunde, sondern der besagte französische Text der Paskjewitsch. Auch die Übersetzung Strenges enthielt "nichts Überflüssiges": keine philosophischen, militärstrategischen, oder auch nur in irgendeiner Weise theoretischen Exkurse des Schriftstellers.

Die deutsche Fassung Strenges wurde 1885 in Berlin veröffentlicht sowie 1892 in Leipzig in der populären Reihe "Universal-Bibliothek". Die letzte derartige Auflage des Romans erschien 1919. Nicht jeder Durchschnittseuropäer oder Amerikaner (und jetzt wohl auch nicht mehr jeder Russe) ist einem langen und komplizierten Roman wie "Krieg und Frieden" gewachsen. Die pragmatischen Amerikaner haben einen originellen Ausweg aus der Situation gefunden. Sie drucken gleich beide Versionen der Übersetzung: die verkürzte Variante (für alle) und die "akademische" (für die Leser, denen eine ungefähre Nacherzählung der Haupthandlung nicht genügt). Die "akademische" Version ist immer mit Kommentaren, Erklärungen und einer Liste aller Namensformen der Haupthelden ausgestattet. Jahr um Jahr wächst überall auf der Welt das Bestreben sich möglichst wortgetreu an das Original zu halten. Die Übersetzungen enthalten weniger Fehldeutungen und werden genauer.

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Elizaveta Tumim mit eine neue Übersetzung des Romans „Anna Karenina“. Foto: Alexandra Omeltschenko
Elizaveta Tumim

Zuletzt wurde im "Tolstoi-Jahr" auf der Leipziger Buchmesse eine neue feinsinnige Übersetzung des Romans "Anna Karenina" vorgestellt, eine Arbeit der Tolstoi-Kennerin Rosemarie Tietze. Der dem deutschen Text beigefügte Übersetzerapparat ist auf dem aktuellsten Stand und enthält Anmerkungen sowie ein von Tietze verfasstes Nachwort. Obwohl T. Mann den Roman einst als "den großartigsten sozialen Roman der gesamten Weltliteratur" bezeichnet hatte, wurde das Werk bis zur aktuellen Bearbeitung Tietzes von den deutschen Übersetzern ein halbes Jahrhundert lang nicht wahrgenommen. Es bestätigt sich nun aber offenbar die Übersetzer-Weisheit der Holländerin Anne Stoffel: "Alle 50 Jahre...macht sich eine neue Übersetzung notwendig."

Das neue künstlerische Werk wurde im Mai im beliebten Leipziger "Haus des Buches" (Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig) auf Herz und Nieren geprüft. Die Besucher nahmen an einer parallelen Lesung des Originals und der Übersetzung des Romans teil und untersuchten jedes russische und deutsche Wort, wogen ab, versuchten Geschmack und Farbe, kontrollierten die Entsprechung. Die Reaktion des Publikums sprach für sich, ob die deutschen Zuhörer über dieselbe Textstelle lachten wie die russischen Gäste oder ob die Textstelle in der einen oder anderen Sprache ähnliche Gefühle bei den Zuhörern hervorrief, die Nuancen in beiden Sprachen verstanden wurden. Für den 19. Mai hatten die Veranstalter Liebeszenen ausgewählt. An den Abenden zuvor waren Textausschnitte gelesen worden, in denen es um Geburt, Landwirtschaft und Natur geht.

An der Prozedur nahm Tolstoi selbst teil...Wladimir Tolstoi, der Ururenkel des großen Schriftstellers und zugleich Direktor des Museums Jasnaja Poljana. Viele Leipziger waren in diesen Tagen nicht nur um der Lesung des Originaltextes und des Vergleiches mit der Übersetzung willen im Haus des Buches zu Gast, sondern um wenigstens einmal den Nachkommen des legendären Lew Tolstoi live zu erleben. Der mitteilsame, kluge und intelligente Tolstoi enttäuschte seine Zuhörer nicht. Erstmals nach 28 Jahren ist Tolstoi wieder in deutschen Landen, wo einst seine Mutter, die übrigens immer mit viel Herz an jene Zeit zurückdachte, Russisch unterrichtet hatte.

Tolstoi las den russischen Text bemerkenswert herzlich und mit ausgesprochenem Genuss. Die anregenden Kommentare W. Tolstois lenkten die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf den von ihm vorgelesenen Text. Entsprechen die im Roman "Anna Karenina" beschriebenen Liebesbeziehungen doch keinesfalls einem einfachen Muster, sondern sind alle sehr verschieden. "Anna und Wronski" lieben sich mit brennender, alles durchdringender, zerstörerischer Leidenschaft. Die Beziehung zwischen Warenka und Sergej Iwanow beschreibt Tolstoi humorvoll als Möglichkeit einer Liebe, die sich ernsthaft nie erfüllt. Kitty und Lewin durchleben schließlich komplizierte und widersprüchliche Emotionen, deren Darstellung dem Leser auch etwas über die Beziehungen zwischen dem Schriftsteller und dessen Ehefrau verriet.

Wladimir Tolstoi sprach über die spezifischen Umstände der Brautschau und Heirat L. Tolstois und erinnerte die Zuhörer in diesem Zusammenhang an die berühmten Tagebücher des Schriftstellers. In den privaten Niederschriften fand Tolstoi nicht ein einziges gutes Wort für seine Jugendsünden und ließ sich sehr abschätzig über die Fehlschläge der eigenen Brautsuche aus. Die berühmte klärende Szene am Billardtisch ist direkt dem Leben entnommen. Genau so verhielt es sich, als der 34-jährige Tolstoi Hand und Herz der 18-jährigen Sonja Behrs eroberte.

Der Tolstoi am nächsten stehende autobiografische Held (Lewin) veranlasste die Zuhörer sich wieder dem Schriftsteller selbst zuzuwenden, dessen Persönlichkeit auch heutzutage fesselt und interessiert. Tolstoi der Aristokrat, Nachkomme der alten Adelsfamilien Wolkonski und Tolstoi, war seit dem zehnten Lebensjahr Vollwaise. Die wilde Jugendzeit, der Militärdienst, Gutsbesitz, Familienleben und schließlich die Flucht aus der gewohnten Welt - das alles bot ausreichend Stoff für ein breites Interesse und schrie geradezu danach, aufgeschrieben zu werden.

Vieles davon erzählte Tolstoi selbst in seinen Werken, und zwar mit großem Talent, sodass I. Turgenjew nach der Lektüre der Novelle "Der Leinwandmesser. Eine Pferdegeschichte" ("Cholstomer") anerkennend erklärte: "Sie müssen in einem früheren Leben ein Pferd gewesen sein." Wen wundert es, dass der weltberühmte Schriftsteller Tolstoi heutzutage selbst zum Protagonisten zahlreicher Theaterstücke und Kinofilme wird. Die Lesungen im Mai in Leipzig sind eine weitere Bestätigung für das anhaltende weltweite Interesse an Tolstoi und seinen Werken.

Übersetzung S. Weien


Quelle: New Russian Culture in Translation


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